Die promovierte Sportsoziologin Nikola Plohr hat den Trend des Selftrackings über mehrere Jahre hinweg beobachtet. Das hat für ihr Forschungstagebuch bedeutet: Über zwei Jahre jeden Tag tracken, vergleichen und Schritte, Distanzen und Kalorien zählen und auswerten, was das mit ihr macht. Besonders anstrengend war für sie, dass das von ihr verwendete Armband nicht nur ein Tagesziel, sondern sogar ein stündliches Ziel formuliert hat.
"Wenn man Richtung Ende der ablaufenden Stunde noch nicht die zu absolvierenden Schritte gemacht hat, wurde man sehr invasiv und laut daran erinnert, dass man eben noch so und so viele Schritte gehen muss. Für mich war das Druck pur."
Leistungsdruck und Selbstoptimierung
Für Nikola war es genau dieser Druck, der von ihr abgefallen ist, als sie das Band nach ihrer Forschung endlich in die Schublade packen konnte. Ihr und ihren Probanden hat das Experiment nicht immer Spaß gemacht
"Bei einigen Leuten ihrer Forschung hat sich eine Art Sog entwickelt. Manche haben berichtet, abends noch im Zimmer oder im Regen Schritte gemacht zu haben, weil sie wussten, da fehlen noch Schritte. Und da merkt man dann schon, dann geht es zu weit und macht auch keinen Spaß mehr."
In ihrem Buch „Was ist Selftracking? Eine Autoethnografie des vermessenen Selbst“ beschreibt Nikola, welchen Einfluss das Messen von Körperdaten auch zum Beispiel auf Alltagsbewegung und Trainingspläne hat.
Mittlerweile genießt sie das Gefühl, einfach loszulaufen, ohne zu wissen, wie lange die Joggingrunde heute wird. Fitnessarmbänder verteufelt sie nicht komplett - wichtig sei einfach sich zielgerichtet zu überlegen, wofür und wie lange man das Armband genau tragen möchte.
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