Nikolina leidet unter Angststörungen und Depressionen und war deshalb lange in Verhaltenstherapie. Für sie nicht die richtige Therapieform, deshalb hat sie umgeschwenkt. Ein Psychotherapeut erklärt, was es für eine erfolgreiche Therapie braucht.
Nikolina, 29, ist seit etwa 15 Jahren immer wieder in Therapie. Grund dafür sind ihre Angststörungen und Depressionen. Der Fokus lag lange auf einer Verhaltenstherapie. Allerdings sind ihre Ängste dadurch nicht verschwunden.
Nikolina hatte beispielsweise große Angst, nach draußen zu gehen. In der Therapie wurde dann eine Strategie entwickelt, um besser damit umgehen zu können. Nikolina sagt, dass sie mit dieser Strategie aber nicht so richtig zum Ziel gekommen ist. Sie hat es dann zwischenzeitlich auch mit Hypnose und Mediation probiert. Ohne Erfolg.
"Ich hatte das Gefühl, nichts hilft. Ich hatte so dolle Panikattacken und so eine dolle Angststörung und ich dachte: Was zum Teufel soll ich jetzt noch machen?"
Von der Verhaltenstherapie zur Psychoanalyse
Nach sieben Jahren hat Nikolina mit der Verhaltenstherapie aufgehört und eine Psychoanalyse angefangen. Eine befreundete Psychologin, die eine Ausbildung zur Therapeutin macht, hat sie dazu gebracht. Es war nicht die erste Psychoanalyse für Nikolina. Deshalb war sie anfangs auch eher skeptisch. Mittlerweile ist Nikolina der Meinung, dass es der richtige Schritt war – denn die Sitzungen helfen ihr.
"Diese zwei Jahre Psychoanalyse waren das wertvollste, was ich bisher gemacht habe. Mir sind so viele Sachen bewusst geworden, die mit so unbewusst waren."
Für Nikolina ist ein Vorteil, dass die Psychoanalyse häufiger stattfindet – nämlich drei Mal die Woche: "Dadurch ist man in der Lage, tiefer in die Themen rein zu gehen und sie auch öfter zu wiederholen." Nach den Sitzungen hatte Nikolina das Gefühl, dass sich belastende Themen auch wirklich aufgelöst haben.
Mittlerweile hat sie die Medikamente abgesetzt und sie kann auch deutlich besser mit ihren Angststörungen umgehen. "Selbst wenn ich manchmal Phasen habe, wo ich doll Angst habe, dann merke ich, dass ich völlig anders mit diesen Gefühlen umgehen kann, weil ich verstehe, was der Auslöser ist", erzählt Nikolina.
Auch Verhaltenstherapie hat in gewisser Weise geholfen
Rückblickend sagt Nikolina, dass sie auch etwas aus der Verhaltenstherapie mitgenommen hat.
"Ich glaube, dass ich in dieser Verhaltenstherapie auch viele Basics gelernt habe: über Gefühle und die Psyche. Beispielsweise, dass ich einfach weinen darf."
Die Verhaltenstherapie habe ihr beispielsweise bei täglichen Problemen geholfen, wie etwa Konflikte mit ihrer Mutter oder in der Schule. "Ich glaube, als ich damals als Jugendliche dorthin gekommen bin, unfassbar destabilisiert war. Ich weiß nicht, ob ich eine Psychoanalyse damals ausgehalten hätte."
Vier anerkannte Psychotherapieformen in Deutschland
In Nikolinas Fall haben die Strategien, die ihr in der Verhaltenstherapie nahegelegt wurden, nicht zum gewünschten Ziel geführt. Anderen Betroffenen können solche Strategien aber durchaus helfen. "Dass man einfach vorschlägt, was kann ein Patient machen, um die eigene Situation zu verbessern. Das ist wesentlich deutlicher in der Verhaltenstherapie", sagt der Arzt Henning Schauenburg. Er leitet das Heidelberger Institut für Psychotherapie
Er beschreibt den Unterschied zur Tiefenpsychologie und Psychoanalyse so: "Da geht es mehr darum, einen Raum zu schaffen, um zu verstehen, was eigentlich los ist – die Probleme, mit denen man sich rumschlägt."
Systemische Therapie und Gruppentherapie
In Deutschland gibt es insgesamt vier anerkannte Psychotherapieformen. Neben der Verhaltenstherapie, der Tiefenpsychologie und der Psychoanalyse gehört auch die systemische Therapie dazu. Dabei geht es vor allem um den sozialen Kontext der psychischen Störungen. Es kann zum Beispiel sein, dass Bezugspersonen mit in die Sitzungen kommen.
Es gibt auch noch die Möglichkeit, eine Gruppentherapie zu machen. Sie wird Henning Schauenburg zufolge aber vergleichsweise selten wahrgenommen, obwohl Gruppen- und Einzeltherapien ähnlich erfolgversprechend sind.
"Die Studienlage sagt, dass Gruppen- und Einzeltherapie gleich wirksam ist."
Ein Grund sei, dass Menschen häufig Scheu vor Gruppen haben. "Unser Job ist manchmal, sie dazu zu bringen, diese Scheu zu überwinden. Denn, wenn sie erst mal in einer Gruppe drin sind und da so eine Offenheit herrscht, dann ist der Vorteil einer Gruppe, dass man Rückmeldungen kriegt", der Experte. Außerdem könnten Therapeuten so beobachten, wie jemand mit anderen interagiert. "Denn sonst hört man immer nur, was die Patienten einem erzählen, aber man ist nicht selber dabei."
Selbst herausfinden, welche Therapie zu einem passt
Bei der Frage, welche Therapieform zu einem passt, sollte man sich einerseits darüber bewusst werden: Welche Erwartungen habe ich an die Therapie? Eine realistische Erwartung ist zum Beispiel, dass der eigene Leidensdruck abnimmt oder verschwindet, sagt der Psychologe Samy Egli. "Also, dass es besser wird mit meinen Schwierigkeiten, Belastungen oder Problemen, mit denen ich in die Therapie reingehe. Zu den realistischen Erwartungen gehört auch, dass ich selbst viel dafür tun muss."
Sich mit den Therapieformen beschäftigen
Hilfreich sei es außerdem, sich im Vorfeld mit den Therapieformen auseinanderzusetzen und zu überlegen, welche zu einem selbst passt. Außerdem sollten Betroffene schauen, wo sie die Ursachen für die eigenen Belastungen vermuten, rät der Psychologe.
Ein entscheidender Hinweis darauf, dass jemand sich für die richtige Therapieform entschieden hat: Dass es einem besser geht, die Lebensqualität steigt und man mit seinen Problemen oder der emotionalen Lage besser klarkommt. Ist das nicht der Fall, sollten Patientinnen und Patienten auch offen der Therapeutin oder dem Therapeuten darüber sprechen und nach einer Lösung suchen.
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Hinweis: Nikolina ist nicht auf unserem Bild zu sehen. Hierbei handelt es sich um ein Symbolbild.
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