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Nach langen Verhandlungen haben sich Israel und die Hamas auf eine Feuerpause und die Freilassung von 33 israelischen Geiseln geeinigt. Jetzt wackelt der Deal wieder. Was denken ein Israeli und ein Palästinenser darüber? Wir sprechen mit Ofer und Mohammad.

Im Konflikt zwischen Israel und der Hamas hieß es schon oft, man sei einer Lösung so nah wie nie, nur um dann zu scheitern. Jetzt aber sprachen US-Präsident Biden, Donald Präsident Trump, der deutsche Kanzler und Katars Regierungschef deutlich von einer Einigung. "Es haben sich gestern so viele aus dem Fenster gelehnt", sagt Jan-Christoph Kitzler, ARD-Korrespondent im Studio Tel Aviv. Ein Scheitern wäre nun extrem peinlich und unwahrscheinlich.

"Es haben sich gestern so viele aus dem Fenster gelehnt. Ich glaube nicht, dass sie das noch zum Kippen bringen. Dafür wäre das sonst wirklich zu peinlich."
Jan-Christoph Kitzler, ARD-Korrespondent im Studio Tel Aviv

Verzögerungen könnte es dennoch geben. Israel macht die Hamas verantwortlich. Diese blockiere den Deal mit Forderungen in letzter Minute. Die Hamas weist das zurück und fordert, die USA sollten Israel stärker unter Druck setzen. Die Namen palästinensischer Häftlinge, die freikommen sollen, scheinen noch Streitpunkt in den letzten Runden der Verhandlungen zu sein. Die Hamas möchte hochrangige Vertreter, Israel verlangt ein Vetorecht, um für sie gefährliche Personen auszuschließen.

Waffenruhe, Truppenrückzug und Geisel- und Gefangenenaustausch

Der Druck auf beide Seiten wächst. Verhandelt wurde in Doha unter Vermittlung durch die USA, Katar und Ägypten. Der Deal umfasst mehrere Punkte: Waffenruhe, langsamer Rückzug der israelischen Armee und Austausch von Geiseln und Gefangenen. Die Hamas fordert Garantien für einen dauerhaften Waffenstillstand. Nach 16 Tagen sollen weitere Verhandlungen folgen. Langfristige Themen wie Wiederaufbau des Gazastreifens und Perspektiven für die Menschen dort sind aber noch in weiter Ferne.

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Mohammed Abusaif ist im Gazastreifen aufgewachsen und hat dort bis vor kurzem auch als Journalist gearbeitet. Er hat viele Familienmitglieder und Freunde durch den Krieg verloren. Er freut sich über den Deal, kann es aber noch nicht ganz glauben, sagt er.

Ofer Waldman ist Journalist und Aktivist und lebt in der Nähe von Haifa in Israel. Auch er hat gemischte Gefühle: Freude über die Aussicht, dass Geiseln heimkehren, der Krieg endet und Gaza sich erholen kann einerseits. Andererseits ist da aber auch Skepsis, weil ähnliche Hoffnungen bereits enttäuscht wurden, sagt er.

"Dass nur 33 Geiseln nach Hause kommen und nicht alle 98, ist unerträglich."
Ofer Waldman, Journalist und Aktivist aus Israel

Die erste Phase, die Waffenruhe, sei entscheidend. Die weiteren Phasen bleiben unsicher, wie das Scheitern des letzten Deals Ende 2023 gezeigt habe. Ofer findet es unerträglich, dass zunächst nur 33 der 98 Geiseln heimkehren sollen. Seine Hoffnungen ruhen auf Katar, Ägypten und den USA, dass sie ihren Druck aufrechterhalten, damit ein dauerhafter Waffenstillstand und eine friedliche Lösung möglich werden.

Deal zwischen Israel und Hamas – Skepsis ist groß

Ofer berichtet, dass auch die Angehörigen von Geiseln sehr zurückhaltend sind: Bis sie ihre Lieben nicht wiedersehen, glauben viele kein Wort. Die Freude über das mögliche Ende des Kriegs und die Heimkehr der Geiseln sei groß, doch die Skepsis bleibt. Man wage es nicht, vollständig daran zu glauben.

Die letzten anderthalb Jahre beschreibt er als sehr belastend: Im Norden Israels lebte er mit täglichen Raketenangriffen und dem Schutzsuchen im Bunker. Allen Menschen im Land sei eine schwere Last anzumerken – auch ohne direkte Bedrohung. Die Situation im Süden Israels und im Gazastreifen sei dagegen noch deutlich schlimmer.

"Der israelischen Aktivist Maoz Inon sagt: 'Hoffnung hat man nicht, Hoffnung schafft man in kleinen Taten, in der Suche nach dem Blick, nach den Worten des anderen.'"
Ofer Waldman, Journalist und Aktivist aus Israel

Hoffnung schöpft Ofer aus zwei Quellen, sagt er: Erstens, dass die internationale Gemeinschaft den Druck aufrechterhält, da die regionalen Akteure den Konflikt nicht allein lösen können. Zweitens inspirieren ihn Menschen, wie der israelische Aktivist Maoz Inon, der trotz des Verlusts seiner Eltern, anderen Mut mache und sagt: "Hoffnung hat man nicht, Hoffnung schafft man in kleinen Taten, in der Suche nach dem Blick, nach den Worten des anderen". Hoffnung müsse aktiv geschaffen und kann nicht einfach erwartet werden.

Usa machen Druck – Zeit der Spielchen vorbei

Dass ein Deal dieses Mal tatsächlich zustande kommen könnte, liegt zum einen daran, dass die Hamas militärisch geschwächt ist und den Druck spürt, sagt ARD-Korrespondent Jan-Christoph Kitzler. Gleichzeitig haben die USA unter Donald Trump, der kurz vor Amtsantritt steht, massiven Druck auch auf Israel ausgeübt. Besonders dem Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu wurde klargemacht, dass Spielchen und Verzögerungen nicht länger akzeptiert werden. Diese klare Haltung hat offenbar zu Fortschritten geführt.

"Man hat Netanjahu ziemlich deutlich gemacht, dass die Zeit der Spielchen und Verzögerungen vorbei ist."
Jan-Christoph Kitzler, ARD-Korrespondent im Studio Tel Aviv

Die USA unter Trump streben an, dass sich auch die Beziehungen zwischen Israel und Saudi-Arabien normalisieren. Saudi-Arabien verknüpft das mit Zugeständnissen, etwa Fortschritten Richtung palästinensischer Staat. Bei der Zukunft Gazas bleibt unklar, wer regiert, da Israel weder Hamas noch Fatah akzeptiert. Saudi-Arabien könnte beim Wiederaufbau und langfristigen Lösungen eine zentrale Rolle spielen, doch zunächst hoffen alle, dass die Geiseln ausgetauscht werden und für eine kurze Zeit Frieden herrscht.

Vieles hängt von Trumps Einfluss und dem Druck auf Israel ab. In der israelischen Regierung gibt es starke Stimmen von rechtsextremen Koalitionspartnern, die den Krieg fortsetzen wollen, solange die Hamas nicht besiegt ist. Das könnte den Frieden gefährden. Es ist einer von vielen Unsicherheitsfaktoren. "Es soll der Anfang sein für einen dauerhaften Waffenstillstand. Ob es langfristig hält, werden die nächsten Wochen zeigen", so der ARD-Korrespondent Jan-Christoph Kitzler.

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  • Unboxing News
  • Moderation: Ilka Knigge
  • Gesprächspartner: Jan-Christoph Kitzler, ARD-Korrespondent im Studio Tel Aviv
  • Gesprächspartner: Mohammed Abusaif, Journalist aus Gaza
  • Gesprächspartner: Ofer Waldman, Journalist und Aktivist aus Israel