Wer viele Follower hat, bekommt die Rolle? Beim Casting für Film und Fernsehen wird der Online-Status immer wichtiger. Und Schauspielerei nebensächlicher. Nicht allen gefällt das.

Erfolgreiches Social-Marketing als Voraussetzung dafür, dass Filmprojekte überhaupt finanziert werden? Ja, bei manchen Projekte sei das so, bestätigt die Stranger-Things-Schauspielerin Maya Hawke im Podcast Happy Sad Confused. Wenn sie beispielsweise ankündige ihren Insta-Account zu löschen, werde sie von Regisseurinnen und Regisseuren zurückgehalten.

Diese müssten bei manchen Projekten gegenüber den Produzenten ein Gesamtvolumen an Followern ihres Castings nachweisen. Sonst werde das Projekt eben nicht finanziert.

Followerzahl schreibt Besetzungsliste?

Wenn Maya Hawke also mit ihren fast neun Millionen Insta-Followern rausfalle, dann sei das schon eine Menge. Der Regisseur suche sich im Notfall jemand anderen, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anna Wollner. Sie sagt: "Das ist nämlich das Problem: dass Followerzahlen Talent schlagen."

Überhaupt verwische die Grenze zwischen Schauspielerei und Personality zusehends, sagte Maya Hawke, Tochter der Schauspielerin Uma Thurman und von Ethan Hawke. Und ihr Vater der Schauspieler und Produzent ist, bestätigte jüngst diese Beobachtung. Ihm seien schon Besetzungen nur Aufgrund hoher Followerzahlen vorgeschlagen worden – und ohne schauspielerische Erfahrung.

"Die junge Generation tut mir einfach nur leid. Es geht doch nicht nur um Followerzahlen, es geht um Talent."
Ethan Hawke, Schauspieler und Produzent

Er findet, Schauspiel sei mehr, als einfach nur ins Fitnessstudio zu gehen. Und sagt: "Robert De Niro ist nicht Robert De Niro, weil er einen Sixpack hat. Wenn der verlangt wird, hat er ihn, aber er ist so viel mehr."

Das Problem betreffe Blockbuster und Indie-Filme gleichermaßen, bestätigt Anna Wollner: "Gerade Indie-Filme können oft nur durch große Namen finanziert werden und diese große Namen haben dann oft die Followerzahlen".

Kein Insta für Scarlett

Doch nicht alle machen mit: Selbst Scarlett Johansson ist von dem Studio Universal gebeten worden, sich ein Insta-Profil für die Promo des neuen Jurassic-World-Films zuzulegen. "Die hat denen schön den Mittelfinger gezeigt. Sie ist lange genug im Business, um das machen zu können", sagt Anna Wollner.

In Deutschland sei diese Entwicklung noch nicht mit voller Kraft angekommen, findet Anna Wollner. Der Schauspieler Maximilian Mundt, bekannt aus "How to Sell Drugs Online (Fast)", bestätigt das. Trotz seiner 118.000 Follower sei die Zahl der ihm angebotenen Rollen doch übersichtlich.

"Ich habe eine relativ hohe Followerzahl und werde nicht überschüttet mit Rollenangeboten. Ich glaube, es ist trotzdem immer noch auch eine Typ- und Talentfrage."
Maximilian Mundt, Schauspieler

Linda Wolters bemerkt allerdings bei ihrer Arbeit mit Streamern, dass Followerzahlen im Mittelpunkt des Interesses stehen. Ihr gehört die Agentur Next Generation. Sie merke, dass gleiche Personen immer und immer wieder angefragt werden. "Unsere jungen Talente nach vorne zu bringen, ist total schwer, weil die Followerzahlen fehlen", sagt sie.

Anna Wollner zieht daraus den Schluss, dass junge Talente nicht mehr entdeckt werden, wenn sie vorher nicht Influencer waren. Und sagt: "Das ist schon bitter".

Shownotes
Social Media
Follower sind Trumpf, Talent ist Nebensache
vom 31. März 2025
Moderation: 
Dominik Schottner
Gesprächspartnerin: 
Anna Wollner, Deutschlandfunk-Nova-Filmexpertin