Einen Monat lang nichts kaufen. Das haben sich einige Leute als Neujahrschallenge für den Januar vorgenommen. Unter dem Hashtag #nobuy teilen sie ihre Erfahrungen bei Social Media. Aber geht das überhaupt? Wir haben Tipps für euch gesammelt.
Verzichtet wird bei der #nobuy-Challenge vor allem auf "Nice to have"-Produkte wie neue Klamotten, Elektronik, Deko und Alltagsgegenstände – also auf alles, was wir eben nicht unbedingt brauchen.
"Hi, ich bin Josef und ich wollte wissen, was passiert, wenn ich einen Monat nichts kaufe. Ich werde 30 Tage lang nichts kaufen, außer Lebensmittel, und mein Konsumverhalten hinterfragen."
Unsere Reporterin Sarah Brendel hat sich die Erfahrungsberichte bei Social Media angeschaut. Den meisten fiel es schon – früher oder später – sehr schwer, die Challenge durchzuziehen: "Hin und wieder hat's schon echt weh getan, dass ich nicht kaufen darf", erzählt zum Beispiel die Youtuberin Biene auf ihrem Kanal "Sustylery".
Kreative Lösungen
Wenn man nichts kaufen darf, beziehungsweise sich das als Ziel setzt, müssen andere Lösungen her:
- Die Dinge reparieren, die man hat
- Klamotten und Outfits einfach neu kombinieren
- Im Netz nach Tipps suchen, wie Dinge, die nicht gekauft werden dürfen, ersetzt werden können – Beispiel: Statt Rohrreiniger (wenn auch Drogerieeinkäufe tabu sind) Cola in den verstopften Abfluss kippen
Tipps, um nicht schwach zu werden
Wir alle werden täglich mit Werbung zugeballert, der Instafeed ist voll. Die Versuchungen sind also groß. Was tun?
Wenn wir weniger konsumieren wollen, sind vor allem zwei Sachen wichtig, sagt Michaela Wänke, Sozialpsychologin am Lehrstuhl für Konsumentenpsychologie an der Uni Mannheim. Zum einen sollten wir immer erstmal eine Nacht darüber schlafen, ob wir ein bestimmtes Produkt wirklich unbedingt haben müssen.
"Wenn ich etwas sehe, was mir gefällt, dann überlege ich erstmal eine Nacht und kaufe es vielleicht erst am nächsten Tag. Oder wenn ich etwas anprobiere, dann lasse ich es zurücklegen, aber kaufe es nicht gleich."
Die gute Nachricht: Meistens ist der dringende Kaufwunsch dann nach einem Tag wieder weg, so die Psychologin.
Die große Versuchung beim Shopping
Außerdem sollten wir Shopping-Versuchungen aus dem Weg gehen, sagt Michaela Wänke. Das betrifft sowohl die haptisch erfahrbare Shoppingmeile in der Innenstadt als auch – und das ist in Zeiten des Onlineshoppings noch viel gefährlicher – die digitale Shoppingmeile auf unseren mobilen oder stationären Endgeräten.
Empfehlung der Psychologin: Wir sollten versuchen, unserem Social-Media-Algorithmus die Konsumwerbung abzutrainieren.
"Cookies löschen, die einem immer wieder was reinspielen, was man sich schonmal angeguckt hat. Wenn man es dann zehn Mal sieht, dann guckt man vielleicht doch wieder drauf."
Weniger Konsum spart nicht nur Geld, sondern ist auch nahhaltiger. Michaela Wänke rät deshalb grundsätzlich dazu, vor jedem Kauf ganz bewusst zu überlegen: Brauche ich das wirklich?
Sich selbst Konsumregeln setzen
Hier können uns – selbst gesetzte – klare Regeln beziehungsweise Konsumlimits helfen, sagt die Psychologin.
"Ich setzte mir ein Limit: Wie viele Dinge darf ich kaufen im Monat? Kleidungsstücke, Spiele, Elektronikgüter. Dass man halt sagt: 'Okay, eine Sache leiste ich mir pro irgendeiner Zeiteinheit'."
Wenn wir uns nämlich eine bestimmte Sache nur einmal im halben Jahr kaufen dürfen oder so, würden wir automatisch nochmal mehr überlegen, ob wir sie auch wirklich brauchen.
Fazit: Konsumverzicht kann helfen
Das Fazit der #nobuy-Challenge ist bei vielen, die es ausprobiert haben oder gerade ausprobieren, ziemlich positiv, bilanziert unsere Reporterin. Ihr Verlangen nach neuen Produkten sei nicht mehr so stark und sie hätten oft viel Geld gespart.
Natürlich muss man sich anschauen, ob das langfristig funktioniert und ob einige der Challenge-Teilnehmenden im Monat nach der Challenge dann doppelt und dreifach so viel konsumieren. Allerdings scheint #nobuy durchaus manchen Leuten dabei helfen zu können, weniger und bewusster zu konsumieren.