Pop und MissbrauchsvorwürfeWenn der Ruf eines Künstlers den Popsong verdirbt
Michael Jackson, R. Kelly und Kevin Spacey: Bei moralischen Zweifeln einfach abschalten? Und was ist mit den echten Fans? Ein Blick auf die Optionen mit Ina Plodroch.
Erneut werden Missbrauchsvorwürfe gegen Michael Jackson erhoben: in der TV-Dokumentation "Leaving Neverland". Viele Radiostationen spielen deswegen den King of Pop nicht mehr. Auch R. Kelly und Ryan Adams stehen unter Verdacht. Wie sollen die Fans damit umgehen?
"Die einen sagen: Wir können Michael Jackson auf gar keinen Fall mehr hören. Dahinter steht der Glaube daran, dass Musik und Musiker im Pop eine Einheit darstellen sollen."
Die Musikjournalistin Ina Plodroch sagt, dass es bei Fans vor allem auf den Grad der Verehrung ankommt. Sie persönlich hört etwa R. Kelly eher ungern und muss ihre Gewohnheiten deswegen auch nicht ändern. Wie er sich jetzt gegen Missbrauchsvorwürfe verteidigt, findet sie unangenehm.
Bei Michael Jackson ist das anders. Seine Musik ist für sie großartig. Und da fällt Ina die Antwort schwer: Ob Künstler und Werk sich voneinander trennen lassen, ist für sie im Moment die wichtigste Pop-Frage.
Die einen sagen: Auf gar keinen Fall können wir Michael Jackson noch hören – denn die Vorwürfe gegen ihn als Person sind zu krass. Für sie bilden Musik und Musiker eine Einheit. Das passt zu dem Anspruch, dass Popmusik authentisch sein und der Künstler seine Seele nach außen kehren muss. Schließlich jubeln die Fans beim Konzert nicht nur den Songs, sondern auch dem Star zu. Beides gehört untrennbar zusammen.
Künstler ist nicht sein Werk
Ina sagt, dass diese sehr enge Bindung zwischen Kunst und Künstler eine sehr amerikanische Sicht sei. Auch deshalb streichen gerade dort so viele Radiosender Michael Jackson von den Playlists. In Deutschland hingegen spielen die Radiowellen Michael Jackson weiter – sie beobachten die Diskussion noch.
Die anderen sagen: Der Künstler ist nicht sein Werk – ein Kunstwerk ist dann gut, wenn es etwas mit den Menschen macht, die es betrachten. Das ist dann unabhängig davon, ob der Künstler sich korrekt verhalten hat oder nicht.
Ina Plodroch findet, man sollte berücksichtigen, dass Michael Jackson tot ist und nicht mehr kommerziell von Airplay oder Streams profitiert. Das ist bei R. Kelly und Ryan Adams anders. Juristisch urteilen über Schuld und Unschuld lebendiger Popstars weiterhin die Gerichte. Beim Anhören, Ansehen und Abspielen, meint Ina Plodroch aber, entscheidet jeder Sender, jede Hörerin, jeder Hörer am Ende selbst – mühsame Einzelfallprüfung also.
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