Invasive BuchstabenDie Geschichte vom Ø
Ein dänischer Umlaut erobert den deutschen Sprachraum. Ob Schränke im Møbeltaxi, Kaltgetränke in der Bierboutique Ølwechsel oder Essen und Trinken im Mørtelwerk. Der Buchstabe mit dem Strich durch hat einen gewissen Reiz.
Das "ø" funktioniert, weil ein Alleinstellungsmerkmal hängenbleibt, erklärt Manfred Kirchgeorg von der Handelshochschule Leipzig. Bei einer leicht veränderten Schreibweise braucht unser Gehirn nämlich ein kleines bisschen länger, um darüber nachzudenken. "Das ist aufmerksamkeitssteigernd, weil es Interesse weckt", so der Marketingfachmann.
"Das Mörtelwerk war mal eine reine Mörtelfabrik. Das mit dem dänischen "ø" war eher als Gag gedacht. Die meisten lesen es als Mörtelwerk."
Der Norden ist positiv besetzt
Außerdem hat Skadninavien bei uns ein eher gutes Image: Natur, Landschaft, kalt, teuer, Schnee und freundlich - Laut dem Marketingspezialisten kommen uns diese Begriffe in den Sinn, wenn wir an den Norden denken. Außerdem bringen viele Skandinavien auch mit Design und Modernität in Verbindung. Wenn wir also durch das "ø" an den Norden denken, wird unser Gehirn meistens positiv stimuliert. Der Fachmann nennt das "ø"deshalb auch "ein visuelles Element im Markennamen".
"Positive Merkmale einer Region werden für Produktnamen genutzt. Namen von Kosmetika klingen deshalb oft französisch, Lebensmittel italienisch und Medikamente lateinisch."
Einmal als Marke etabliert, rät der Marketingprofessor, das auch konsequent durchzuziehen. Das Mörtelwerk zum Beispiel tut das auch. So werden Fotoalben zu Imressiønen und die Abendveranstaltung zur Øpen Stage.
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